250.000 Euro der Kölner Wirtschaft für ein Ja-Olympia
Vor einigen Wochen hatten wir darüber berichtet, dass sich Oberbürgermeister Burmester um Spendengelder aus der Wirtschaft bemühte. Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhren wir, dass er 40 Zusagen à 10.000 Euro erhalten haben soll. Er wusste nur nicht, wie er das über städtische Konten verbuchen sollte. Also wurde eine Initiative gegründet. Wie WDR 2 am 10. April meldete, kamen jedoch nur 250.000 Euro zusammen. Fern der Realität schreibt die Verwaltung:
„Die „Wirtschaftsinitiative KölnRheinRuhr“ mit Geschäftsstelle bei der KölnBusiness Wirtschaftsförderungs-GmbH setzte in ein vielfältiges Spektrum an eigenen, aus Mitteln der Wirtschaft finanzierten Kommunikations- und Informationsmaßnahmen um und steht seit dem mit der Wirtschaft fest hinter der Olympiabewerbung.“
Wer ist da wohl aus der Wirtschaft abgesprungen? Das Ganze hat aber auch noch ein Geschmäckle, oder?
KÖLN – Während über die Ausrichtung internationaler Mega-Events nach dem Vorbild der Olympischen Spiele spekuliert wird, setzt der Schützenverein St. Sebastian u. Afra ein deutliches Zeichen gegen diese Entwicklung. In einer Stellungnahme macht der Traditionsverein klar: Solche Großereignisse sind eine Gefahr für das soziale Gefüge Kölns und die finanzielle Stabilität unserer Stadt.
Von unserer Redaktion
Es ist die Angst vor der „Eventisierung“ der Kölner Identität. Während die glänzende Welt des internationalen Sports von Ruhm und Prestige spricht, blickt der Schützenverein St. Sebastian u. Afra mit großer Sorge auf die möglichen Folgen einer solchen Ausrichtung in Köln. Für den traditionsreichen Verein ist klar: Der Preis für ein solches Spektakel ist viel zu hoch – sowohl finanziell als auch sozial.
Die finanzielle Last: Steuergelder für fremde Interessen
Das Hauptargument des Schützenvereins ist die massive Belastung der öffentlichen Hand. Großereignisse dieser Größenordnung werden durch enorme Investitionen in Infrastruktur, Sicherheit und Logistik vorangetrieben. Diese Kosten werden fast ausnahmslos über die Steuerzahler in Köln finanziert.
„Wir sehen hier eine gefährliche Umverteilung“, so ein Sprecher des Vereins. Während die Kölner Bürger für die Finanzierung aufkommen müssen, fließt der wirtschaftliche Profit durch globale Medienrechte und Sponsoring-Einnahmen primär an das Internationale Olympische Komitee (IOC). Das IOC agiert als „Gewinnabschöpfer“ auf Kosten der lokalen Gemeinschaft, während die Stadt Köln mit den langfristigen Folgekosten und der Instandhaltung neuer Strukturen allein gelassen wird.
Steigende Mieten und Verdrängung des Sozialen
Ein weiterer kritischer Punkt ist die sozioökonomische Auswirkung auf das Stadtbild. Der Schützenverein St. Sebastian u. Afra warnt vor dem „Mietwahnsinn“, der oft mit solchen Aufwertungsmaßnahmen einhergeht. Die Aufwertung von Stadtteilen im Zuge von Sport-Infrastrukturprojekten führt zu steigenden Bodenpreisen und Mieten, was letztlich die soziale Durchmischung Kölns gefährdet und alteingesessene Strukturen verdrängt.
„Ein solches Event kann nicht auf Kosten der Menschen geschehen, die Köln seit Generationen prägen“, so die Stellungnahme des Vereins. Die Gefahr ist groß, dass das soziale Miteinander – der Kern dessen, was Köln ausmacht – durch eine rein kommerzielle Event-Kultur ersetzt wird.
Ein Schlag gegen die lokale Vereinskultur
Besonders besorgt ist der Verein um den Verlust der lokalen Identität. Schützenvereine wie St. Sebastian u. Afra sind Ankerpunkte des sozialen Lebens und der Tradition in den Kölner Stadtteilen. Großereignisse hingegen konzentrieren sich auf das kurzfristige Spektakel für ein globales Publikum.
„Wenn die Stadt nur noch als Kulisse für internationale Profitinteressen dient, verlieren wir unsere Seele“, so das Fazit des Vereins. Der Fokus liegt bei solchen Events nicht mehr auf der Förderung lokaler Gemeinschaften oder der Stärkung der bestehenden Vereinskultur, sondern auf der kurzzeitigen Maximierung von Sichtbarkeit und Umsatz.
Fazit: Köln braucht Beständigkeit, keine Gigantomanie
Der Schützenverein St. Sebastian u. Afra fordert die Kölner Politik dazu auf, die Prioritäten neu zu setzen. Anstatt Milliarden in Projekte zu investieren, die den Profit internationaler Komitees sichern und die Stadt finanziell ausbluten lassen, sollte der Fokus auf der Unterstützung der bestehenden Vereine, der Stabilisierung der Mieten und der Förderung des echten, lokalen sozialen Miteinanders liegen.
Köln braucht keine glitzernden Arenen für wenige Tage, sondern eine starke, verlässliche Vereinslandschaft für alle Zeiten.
Kritik aus dem Podcast: Böhmermann stellt sich gegen Olympia in Köln
Die Debatte um eine mögliche Olympiabewerbung der Stadt Köln hat einen prominenten Kritiker: Jan Böhmermann. In seinem Podcast „Fest & Flauschig“ positionierte sich der Satiriker in ungewöhnlich scharfer Form gegen das Vorhaben – und griff dabei sowohl die Stadtpolitik als auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) an.
Deutliche Absage an die Bewerbung
Im Zentrum von Böhmermanns Wortmeldungen steht eine grundsätzliche Ablehnung der Olympiapläne. Mit Blick auf den laufenden Bürgerentscheid machte er unmissverständlich klar, wie er abstimmen will. „Aus irgendwelchen Gründen hat die Stadt Köln sich in den Kopf gesetzt, Olympiastadt zu werden“, sagte er und kündigte an, gegen die Bewerbung zu stimmen.
Damit stellt sich der Moderator öffentlich gegen die Linie der Stadtspitze und mehrerer Parteien, die eine Teilnahme an der Rhein-Ruhr-Bewerbung befürworten. Köln gilt dabei als zentrale „Leading City“, weshalb das Votum der Bevölkerung besonderes Gewicht hat.
Kritik an Prioritäten der Stadt
Inhaltlich zielt Böhmermanns Kritik vor allem auf die kommunalpolitischen Prioritäten. Er stellt infrage, ob Köln die strukturellen Voraussetzungen für ein Großereignis wie die Olympischen Spiele überhaupt erfüllt. Stattdessen verweist er auf ungelöste Probleme im Alltag der Stadt – etwa Verkehrsfragen oder schleppende Bauprojekte.
Auch Oberbürgermeister Torsten Burmester geriet dabei ins Visier. Böhmermann brachte dessen frühere Nähe zum organisierten Sport als möglichen Beweggrund für die Bewerbung ins Spiel und formulierte zugespitzt: „Olympia-Torsten, Köln hat andere Probleme.“
Fundamentale Ablehnung des IOC
Über die lokale Kritik hinaus richtet sich Böhmermanns Argumentation gegen die Institution hinter den Spielen. Das Internationale Olympische Komitee steht bei ihm grundsätzlich in der Kritik. Besonders deutlich wird das in einer polemischen Zuspitzung, in der er das IOC als „korrupte, politisch sich nach jedem autoritären Wind drehende Kackorganisation“ bezeichnet.
Diese Wortwahl ist typisch für den satirischen Stil des Moderators, verweist aber zugleich auf eine breitere Debatte über Transparenz, politische Einflussnahme und Regularien im internationalen Spitzensport.
Polarisierende Stimme in aufgeheizter Debatte
Mit seiner Intervention reiht sich Böhmermann in eine wachsende Zahl von Stimmen ein, die die Olympiabewerbung kritisch sehen – allerdings in deutlich schärferem Ton als viele andere. Während Teile der Stadtgesellschaft und prominente Unterstützer für die Spiele werben, formiert sich zugleich Widerstand, der vor allem finanzielle Risiken und städtebauliche Folgen betont.
Böhmermanns Wortmeldungen dürften die ohnehin emotional geführte Debatte weiter zuspitzen. Als reichweitenstarker Medienakteur bringt er eine Perspektive ein, die über Köln hinaus wahrgenommen wird – und den Bürgerentscheid zusätzlich politisiert.
Fazit
Die Äußerungen von Jan Böhmermann sind mehr als nur satirische Zuspitzung. Sie bündeln zentrale Kritikpunkte an der Olympiabewerbung – von lokalen Infrastrukturproblemen bis hin zu grundsätzlichen Vorbehalten gegenüber dem IOC. Ob seine Intervention das Abstimmungsverhalten beeinflusst, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Diskussion um Olympia in Köln ist längst zu einer Grundsatzfrage über Stadtentwicklung, politische Prioritäten und internationale Sportpolitik geworden.
Interessant ist noch, dass online eingestellte Artikel der Kölnischen Rundschau und des Kölner Express nicht mehr vorhanden sind …
NOlympia an Rhein und Ruhr! Erfolgreiche Veranstaltungen im Ruhrgebiet
In den vergangenen Tagen fanden in Duisburg, Essen, Dortmund und Gelsenkirchen vier mit insgesamt rund 130 Menschen gut besuchte Veranstaltungen zur geplanten Olympia-Bewerbung Rhein-Ruhr statt. Zahlreiche Interessierte nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren und an den lebendigen Diskussionen zu beteiligen.
Zum Auftakt wurde der Film des Pariser Bündnisses „Le revers de la médaille“ gezeigt, der eindrücklich die sozialen Folgen der Olympischen Spiele 2024 in Paris beleuchtet und deutlich macht, was das Bündnis aus 100 verschiedenen Organisationen mit seinen Aktionen bewirken konnte. Im Anschluss berichtete Paul Alauzy, Sprecher des Bündnisses, aus erster Hand über steigende Wohnungsnot, Verdrängung und die Situation marginalisierter Menschen im Zuge der Spiele. In einer offenen Fragerunde ging er ausführlich auf die Fragen des Publikums ein.
Christoph Harting, Olympiasieger im Diskuswurf in Rio de Janeiro 2016 berichtete anschließend aus der Perspektive des Leistungssports über die Wirkung von Olympischen Spielen. Er sprach sich für ein anderes Verfahren für die Bewerbung des DOSB aus, das sich auf eine Stadt beschränkt, machte auf die Missstände im Breiten- wie im Leistungssport aufmerksam und ist gegen Olympia in Berlin oder NRW.
Jörg Detjen von der Initiative NOlympia Colonia benannte konkrete Kritikpunkte an der Olympia-Bewerbung des Landes NRW. Dabei machte er deutlich, dass es sich bei der Olympia-Bewerbung keineswegs um eine „Olympiade der kurzen Wege“ handelt, sondern die Bewerbung bei den Entfernungen noch nicht einmal die Kriterien des DOSB erfüllt. Nach diesen Kriterien sollen die Entfernungen vom Olympischen Dorf zu den Spielstätten nicht mehr als eine Stunde betragen. Das ist zwischen Köln und Dortmund, Gelsenkirchen oder Recklinghausen nicht einzuhalten.
Wolfgang Freye, Fraktionsvorsitzender Die Linke im RVR, hatte vorher schon vorgerechnet, dass die von Ministerpräsident Hendrik Wüst angegebenen Kosten von 4,8 Mrd. Euro ein schlechter Witz sind. In Frankreich betrugen die Kosten offiziell 6,6 Mrd. Euro, tatsächlich waren es nach Paul Alauzy über 13 Mrd. Euro. München rechnet mit mehr als 20 Mrd. Euro.
Die Linke lehnt die Bewerbung von Rhein-Ruhr für Olympia ab. Eine breite öffentliche Debatte ist darüber notwendig, insbesondere im Hinblick auf die anstehenden Ratsbürgerentscheide. Die Linke wirbt aus den genannten Gründen für ein „Nein“. Dafür würde eigentlich auch reichen, dass in der Frage ausdrücklich nach Zustimmung zu einer Olympiade Rhein-Ruhr „2036, 2040 oder 2044“ gefragt wird. Selbst der Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier, hat zu 2036 inzwischen Widerspruch geäußert. Denn das wäre genau 100 Jahre nach der Propaganda-Show der Nazis und kann nur schief gehen.
Warum die olympischen Spiele nach Köln gehören – Foto: Berthold Bronisz
„Im Jahr 2016 entstand der Satire-Kurzfilm ‚Warum die Olympischen Spiele nach Köln gehören‘ von Hanns-Marcus Müller und Jörg Rühenbeck (Zeitlos- Film).
Die Satire ist wieder hochaktuell. Die beiden Autoren schrieben:
„Stimmt es wirklich, dass Deutschland die geistige Frische nicht mehr hat, um eine erfolgreiche Olympiabewerbung auf die Beine zu stellen?
Nein, sicher nicht, denn es gibt ja noch Köln, das skandalfreie rheinische Wunder der Organisation und der zupackenden Gründlichkeit. So dokumentiert der Film in opulenten Bildern, wie bei der Kölner Olympiabewerbung buchstäblich an alles gedacht worden ist: an den Verkehr und an die Kultur, an die Sportfreundschaft und die Gastfreundschaft, an Politik und Moral und Nachhaltigkeit. Und an Willy Millowitsch natürlich. Und besser als ohne diesen Film lässt sich verstehen, dass Köln auch deshalb ein Wunder ist, weil man sich darüber nur wundern kann.“
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In ihrer neuesten Ausgabe setzt sich die Stadtrevue umfassend mit der Olympia-Bewerbung von Köln und NRW auseinander. Ein lesenswerter Artikel von Anne Meyer und Bernd Wilberg, in dem verschiedene Meinungen und Beweggründe dargestellt werden.
Paris, Los Angeles, Brisbane — und dann Köln-Rhein-Ruhr? Gemeinsam mit 16 Städten in NRW will Köln sich auf die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben — sofern eine Mehrheit beim Ratsbürgerentscheid bis 19. April dafür stimmt. Weiter mit freundlicher Genehmigung der Stadt-Revue unten auf dem Weiterlesen-Link.
Die Grüne Jugend Köln hat sich aktiv in die Kampagne von NOlympia Köln eingebracht und mehrere Infostände organisiert. Erst kürzlich fand einer davon vor dem Bahnhof Köln-Ehrenfeld statt. Auf ihrer Internetseite:
Es gibt neun Punkte, warum die Grüne Jugend Köln eine Olympia-Bewerbung von Köln ablehnt. Der Text ist nicht nur in Bezug auf den Umweltschutz, sondern auch in Bezug auf soziale Themen lesenswert. Zusammengefasst schreiben sie:
„Wir wollen zuverlässigen Nahverkehr, gute Infrastruktur, Klimaschutz und nachhaltige Investitionen in Jugend und Breitensport. Olympia allerdings ist nicht das Mittel dazu, denn Olympia ist kein Instrument der Wirtschaftsförderung oder des Klimaschutzes, sondern eine Sportgroßveranstaltung des IOC. Wir brauchen Olympia nicht als Grund, um dringende Probleme zu lösen, die wir schon heute effektiver, schneller und kostengünstiger umsetzen könnten.“
Zusätzlich gibt es auch einen Flyer der Grünen Jugend Köln: „Dein NEIN zu Olympia in Köln“.
“Von wegen nachhaltige Spiele in Paris… Rhein-Ruhr sollte sich nicht um Olympia bewerben”
Die Landesregierung NRW bewirbt die mögliche Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele für 2036, 2040 oder 2044 als „nachhaltiges Zukunftsprojekt“. Um eine Anforderung der Bewerbung zu erfüllen, sollen am 19.04.2026 in allen Ausrichterstädten Ratsbürgerentscheide dazu stattfinden.
Angesichts der offenen sozialen, finanziellen und ökologischen Fragen ist klar: Die Linke NRW lehnt die Olympia-Bewerbung ab und will vor den Ratsbürgerentscheiden am 19.04.2026 eine kritische öffentliche Debatte. Genau dafür schaffen wir Raum und laden zu unserer Veranstaltung ein. Kommt vorbei und diskutiert mit, für soziale Gerechtigkeit, klimagerechte Stadtentwicklung und gegen milliardenschwere Prestigeprojekte!
Gesprächspartner*innen:
Paul Alauzy – Sprecher des Pariser Aktionsbündnisses „Le revers de la médaille“
Christoph Harting – Olympiasieger im Diskuswerfen 2016, Rio de Janeiro Simone von Kampen – Geschäftsführerin Politik und Kommunikation BUND NRW e. V. (27.03.2026)
Jörg Detjen bzw. Roland Schüler – Sprecher des Bündnisses NOlympia-Colonia
Köln – In der alten Feuerwache in Köln hat die Initiative „Nolympia“ am Dienstag ihre Kampagne gegen die Bewerbung der Region Rhein-Ruhr für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 vorgestellt. Das Bündnis, bestehend aus Verbänden und Privatpersonen, ruft die rund 800.000 wahlberechtigten Kölnerinnen und Kölner dazu auf, beim aktuell laufenden Ratsbürgerentscheid mit „Nein“ zu stimmen.
Die Abstimmung erfolgt ausschließlich per Briefwahl, die Unterlagen wurden bereits von der Stadt Köln verschickt. Die Stadt selbst unterstützt die Bewerbung mit einer Kampagne, für die Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) 300.000 Euro bereitgestellt hat. „Wir kämpfen gegen eine Kampagne mit viel besseren Möglichkeiten“, erklärte Miet-Aktivist Kalle Gerigk, der dem Bündnis mit dem Verein „Obdachlose mit Zukunft“ (OMZ) angehört. Das ehemalige Ratsmitglied Jörg Detjen (Die Linke) kritisierte die städtische Finanzierung als „ein starkes Stück“, da sie ohne Haushaltsbeschluss erfolgte.
Das „Nolympia“-Bündnis plant, in den kommenden Wochen auf Kölner Wochenmärkten mit Flyern und Informationsständen präsent zu sein – teilweise an denselben Orten, an denen auch die Stadt Informationsangebote bereitstellt. Gerigk äußerte Befürchtungen, dass durch die Austragung der Spiele Menschen aus dem Stadtkern verdrängt werden könnten, wie es zuletzt bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris geschehen sei. Oberbürgermeister Burmester hatte hingegen mehrfach betont, dass er eine andere Vorgehensweise in Köln anstrebe.
Kritik kommt auch vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Dr. Helmut Röscheisen bemängelte den geplanten Flächenverbrauch für das Olympische Dorf und das Leichtathletikstadion im Kölner Norden, wo bereits mit Kreuzfeld ein neuer Stadtteil geplant ist. Zudem warnte er vor den hohen Kosten, der Belastung des Verkehrsnetzes, einem „drohenden Knebel-Vertrag“ mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) sowie der hohen CO₂-Belastung durch die Spiele.
Jochen Stürznickel von „Grannies und Parents for Future Köln“ sieht die Olympiabewerbung als unvereinbar mit den Klimazielen der Stadt. Neben den genannten Organisationen gehören dem „Nolympia“-Bündnis auch die Grüne Jugend Köln, das Bündnis Verkehrswende Köln, die Naturfreunde Köln, das globalisierungskritische Netzwerk Attac sowie die Bürgerinitiative Grüngürtel für alle an.
Die Abstimmung endet am 19. April, wenn die Stimmen ausgezählt werden.
Keine Olympia-Bewerbung auf dem Rücken des Breitensports
Es ist aus unserer Sicht völlig unakzeptabel, dass die Stadt Köln eine millionenschwere Olympia-Bewerbung vorantreibt, während gleichzeitig Sportstätten in unserer Stadt vernachlässigt oder faktisch zerstört werden und zahlreiche Sportvereine in Existenznöte geraten. Während über neue Stadien, ein Olympisches Dorf und prestigeträchtige Großprojekte fabuliert wird, kämpfen viele Vereine vor Ort mit maroden Anlagen, gestrichenen Zuschüssen und unsicheren Perspektiven. Diese Politik setzt falsche Prioritäten und gefährdet genau den Breitensport, der täglich das Fundament für Gemeinschaft, Integration und Nachwuchsförderung bildet.
Falsche Prioritäten der Stadt Köln
Die geplante Bewerbung Kölns im Verbund mit der Region Rhein-Ruhr für Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 bindet enorme finanzielle und personelle Ressourcen. Schon jetzt ist absehbar, dass Olympia-Projekte die ohnehin angespannte Haushaltslage verschärfen und an anderer Stelle zu weiteren Kürzungen führen werden, etwa bei Sportanlagen, Jugendarbeit und sozialer Infrastruktur. Es kann nicht sein, dass einerseits Vereine um jede Trainingszeit und jeden Euro Förderung kämpfen müssen, während andererseits für ein zweiwöchiges Spektakel Gelder mobilisiert werden, die in Schulen, Schwimmbädern und bestehenden Sportstätten dringend fehlen.
Solidarität mit NOlympia
Wir stellen uns an die Seite der Initiative NOlympia Colonia, die seit Monaten fundiert auf die Risiken, Kosten und sozialen Verdrängungseffekte einer Olympia-Bewerbung hinweist. NOlympia Colonia macht deutlich, dass Olympische Spiele in Köln zu steigenden Mieten, Verdrängung, weiterer Verschuldung und zum Abbau öffentlicher Leistungen führen können, während der tatsächliche Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger höchst fraglich bleibt. Wir rufen unsere Mitglieder, alle Schützenschwestern und -brüder sowie die Sport- und Schützengemeinschaft in Köln dazu auf, sich zu informieren und die Argumente von NOlympia Colonia unter https://nolympiakoeln.de/ zur Grundlage ihrer Entscheidung zu machen.
Aufruf an Politik und Bürgerinnen und Bürger
Die Schützenbruderschaft St. Sebastianus und Afra Köln von 2012 e.V. fordert den Rat der Stadt Köln und die Verantwortlichen in Verwaltung und Landespolitik auf, die Bewerbung für Olympische Spiele zu stoppen und die vorhandenen Mittel in den Erhalt und Ausbau bestehender Sportstätten sowie in die Unterstützung der Vereine vor Ort zu investieren. Statt einer teuren Imagekampagne braucht Köln eine verlässliche, langfristige Sportförderung, die allen Generationen zugutekommt und den Sport in der Fläche stärkt. Wir appellieren an alle Kölnerinnen und Kölner, beim Ratsbürgerentscheid mit „Nein“ zu stimmen und damit ein klares Zeichen gegen Prestigeprojekte und für eine zukunftsfähige, sozial gerechte Stadtentwicklung zu setzen.