In zwei Kölner Briefwahlbezirken wurden über 50 % Nein-Stimmen abgegeben.
In den letzten zwei Wochen haben uns viele Leute auf das spannende Kölner Ergebnis beim Bürgerentscheid Olympia angesprochen und sich für unser Engagement bedankt. Diesen Dank geben wir gerne zurück und bedanken uns für die breite Unterstützung vieler Kölnerinnen und Kölner!
Die gute Wahlbeteiligung – jenseits des Ergebnisses – ist uns sehr wichtig und ein Zeichen dafür, dass die Zivilgesellschaft sich einbringen kann und es auch tut. Mit 39,68 % hat Köln ein deutlich besseres Ergebnis als Nordrhein-Westfalen mit durchschnittlich 32,74 %. In Großstädten wie Düsseldorf und Essen lag die Beteiligung nur bei 34 %.
Bei den Kölner Stadtbezirken sind die Ergebnisse, anders als bei der Parlamentswahl, gar nicht so weit auseinander. Der Stadtbezirk Kalk fällt mit einer Wahlbeteiligung von 29,8 % etwas aus dem Rahmen. Die Wahlbeteiligung in Chorweiler mit 33,33 % liegt über dem Landesdurchschnitt.
In zwei der 132 Briefwahlbezirke ist es uns gelungen, über 50 % Nein-Stimmen zu erhalten. Leider ist es nicht möglich, die beiden Briefwahlbezirke räumlich genauer zu beschreiben, da die Stadt drei bis vier bisherige Auswahlbezirke in einen Briefwahlbezirk zusammengefasst hat, die räumlich nicht zusammenliegen. Ein Beispiel hierfür ist der Wahlbezirk 205 mit den Auswahlbezirken 20572, 20573 und 20577. Hier wurde nicht nur eine Auszähl-Panne, sondern auch eine Auswahl-Panne planmäßig vorbereitet.
Ver.di-Stadtverwaltung Köln über den Ablauf des Ratsbürgerentscheides
Quelle: Screenshot Ver.di
Die Berichte über den Ablauf des Ratsbürgerentscheids zur Bewerbung für die Olympischen Spiele haben bei ver.di in Köln für Irritationen gesorgt. Abstimmungen wie diese, aber auch grundsätzlich die tägliche Arbeit in der Kommunalverwaltung sind zentrale Orte gelebter Demokratie – hier erleben die Bürger*innen unmittelbar, ob staatliches Handeln funktioniert.
Umso gravierender ist es, wenn organisatorische Mängel dieses Vertrauen beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, dass die Organisation und die Abläufe reibungslos funktionieren. Vor diesem Hintergrund ist es bedauerlich, dass die Auszählung der Stimmen offenbar unter schwierigen Bedingungen stattfinden musste.
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Nach der Berichterstattung, welche sich auch mit der Einschätzung von ver.di deckt, waren zu wenige Wahlhelfer*innen in zu beengten Räumen im Einsatz – trotz einer absehbar hohen Beteiligung der Abstimmung. Mit Blick auf die geplanten Personaleinsparungen in der Stadtverwaltung erfüllt uns aus gewerkschaftlicher Sicht diese Entwicklung mit Sorge und wir betrachten diese als besonders kritisch.
Sie unterstreicht, wie entscheidend eine realistische Ressourcenplanung für das Funktionieren demokratischer Prozesse ist. Das trifft nicht nur die Beschäftigten, die freiwilligen Wahlhelfer*innen, sondern letztlich auch die Bürger*innen.
Wir erwarten, dass die gemachten Erfahrungen sorgfältig und konsequent ausgewertet werden und in konkrete Verbesserungen für zukünftige Wahlen einfließen. Gleichzeitig erwarten wir auch den Blick für die notwendige Aufgabenkritik im Zusammenhang mit den geplanten Einsparungen beim Personal zu schärfen. Ebenso braucht es eine ehrliche politische Debatte darüber, welche Aufgaben unter den Bedingungen geringer werdenden Personalressourcen noch verlässlich erfüllt werden können.
Klar ist: Nur eine Verwaltung, die leistungsfähig und handlungsfähig bleibt, kann das Vertrauen in staatliches Handeln und in die (kommunale) Demokratie dauerhaft sichern
Berlin bleibt im Rennen – doch die Kritik wächst auf allen Seiten
OB Burmester bei einem Interview am 1. Mai 2026 – Foto: Berthold Bronisz / lokalfoto.com
Berlin gibt sich entschlossen. Die Hauptstadt arbeitet weiter an ihrer Bewerbung für Olympische Spiele und macht deutlich, dass sie im nationalen Auswahlverfahren keineswegs abgeschlagen ist. Während andere Regionen ihre Konzepte präsentieren, hält Berlin Kurs – und bleibt damit ein ernstzunehmender Kandidat im Wettbewerb um die deutsche Bewerbung.
Der Prozess ist offen, die Entscheidung noch nicht gefallen. Neben Berlin bewerben sich auch Hamburg, München sowie die Rhein-Ruhr-Region. Gerade diese Konkurrenz sorgt für Dynamik – und verschärft zugleich die Debatte darüber, wie realistisch, nachhaltig und politisch tragfähig die jeweiligen Konzepte sind.
In Berlin setzt man auf Beteiligung und städtische Inszenierung. Die Spiele sollen nicht als abgeschottetes Großereignis daherkommen, sondern als urbanes Projekt, das sich in bestehende Strukturen einfügt. Bestehende Sportstätten, kurze Wege und die internationale Ausstrahlung der Stadt sind zentrale Argumente der Bewerbung. Gleichzeitig wird versucht, die Bevölkerung frühzeitig einzubinden, um Widerstand zu vermeiden, der frühere Olympia-Anläufe scheitern ließ.
Doch auch in Berlin bleibt die Skepsis präsent. Kritiker verweisen auf steigende Kosten, ungelöste Infrastrukturprobleme und die Gefahr, dass soziale Fragen hinter einem Prestigeprojekt zurücktreten könnten. Die Erfahrung anderer Städte zeigt, wie schnell sich Zustimmung in Ablehnung verwandeln kann – besonders dann, wenn finanzielle Risiken unklar bleiben.
Noch deutlicher treten die Konflikte allerdings in der Rhein-Ruhr-Region zutage, insbesondere rund um die Kölner Rolle innerhalb der Bewerbung. Dort wird nicht nur das Konzept selbst infrage gestellt, sondern auch die politische Kommunikation. Kritiker bemängeln, dass die Bewerbung zu wenig Rückhalt in der Bevölkerung habe und Entscheidungen zu stark von oben gesteuert wirkten.
Im Zentrum der Kritik steht dabei auch Torsten Burmester, der als zentrale Figur im Bewerbungsprozess gilt. Ihm wird vorgeworfen, die Verfahren nicht transparent genug zu gestalten und die unterschiedlichen Interessen der Städte unzureichend auszugleichen. Gerade im Kontext der Rhein-Ruhr-Bewerbung wird kritisiert, dass lokale Besonderheiten – etwa die Rolle Kölns – nicht klar genug definiert seien und politische Abstimmungen hinter verschlossenen Türen stattfänden.
Auch strukturell gibt es Zweifel: Die Idee einer dezentralen Olympia-Ausrichtung über mehrere Städte hinweg gilt zwar als innovativ, wirft aber Fragen zur Organisation, Finanzierung und internationalen Vermarktbarkeit auf. Während Befürworter darin ein modernes Gegenmodell zu klassischen Mega-Events sehen, warnen Kritiker vor einem schwer steuerbaren Großprojekt mit unklaren Verantwortlichkeiten.
Für Berlin ergibt sich daraus eine paradoxe Situation. Einerseits steht die Stadt selbst in der Kritik, andererseits profitieren ihre Chancen indirekt von den Schwächen der Konkurrenz. Je stärker die Zweifel an anderen Bewerbungen werden, desto offener erscheint das Rennen.
Am Ende geht es nicht nur um Sportstätten und Konzepte, sondern um Glaubwürdigkeit. Welche Stadt kann überzeugend darlegen, dass Olympische Spiele heute noch vermittelbar sind – finanziell, sozial und ökologisch? Berlin setzt darauf, diese Frage besser beantworten zu können als die Konkurrenz.
Fest steht: Die Entscheidung ist offen. Und Berlin ist weiterhin mittendrin.
München hat doch eine bessere Beteiligung: Anmerkungen zu Olympia-Bürgerentscheid in NRW
Anmerkungen zu Olympia-Bürgerentscheid in NRW
Das NRW beim Bürgerentscheid mit München gleichgezogen, trifft nicht die Realität. Die Beteiligung liegt in NRW bei 32,74 % in München immerhin bei 42%. In München liegt die Zustimmung aller Wahlberechtigten bei 27,83 % in NRW nur bei 21,5 %.
Trotzdem liegt die Zustimmung für die olympischen und paralympischen Spiele in den 17 Städten mit 65,8 % deutlich besser als die Umfrage mit
54 % von Anfang April.
Die 17 Städte in NRW haben unterschiedliche Ergebnisse. Wir machen drei Gruppen aus:
a.Die Gruppe Ruhrgebiet mit Beteiligungen unter 30 % und einem relativ hohem Zustimmungswert. Dazu gehören Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen, Krefeld und Oberhausen. Vermutlich werden Menschen mit geringen Einkommen an der Abstimmung nicht teilgenommen haben.
b. Die Gruppe der Städte mit hoher Beteiligung über 35% und hoher Zustimmung bei 70 %. In diesen Städten haben die Menschen hohe Einkommen und eine hohe Eigenheim-Quote. Der Einfluss des Bürgertums ist groß. Dazu gehören Aachen, Düsseldorf, Monheim und Pulheim.
c. Die rheinischen Städte Köln und Leverkusen haben eine hohe Beteiligung und einen hohen Anteil an Nein-Stimmen. Das Wahlergebnis von Köln mit einer Beteiligung von fast 40 % und eine Ablehnung von
42,6 % ist auch ein tiefes Misstrauen der Menschen gegen ihre Stadtverwaltung. Das Bau-Desaster bei der Oper, kaputte Straße und schlechte Sportanlagen wurden oft erwähnt. In der Sendung „Stadtgespräche“ von wdr5 war die Kritik am Baustopp des Wohnprojektes „Kreuzfeld“ zu Gunsten des Olympischen Dorfes und des Olympiastadions unüberhörbar.
NOlympia-Colonia mit dem Bündnis NOlympia Köln hat Bewegung in die Diskussion gebracht. Wir haben einen Beitrag zum Kölner Wahlergebnis geleistet. Ob der Oberbürgermeister Burmester uns tatsächlich Gespräche anbieten wird, wie er es in einer Sendung des Deutschlandfunks ankündigte, werden wir sehen. Wir sind gesprächsbereit.
haben Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten aus der Parteibasis eine eigene Initiative gestartet, die zur kritischen Auseinandersetzung mit den aktuellen Planungen aufruft.
Die Initiative versteht sich als Zusammenschluss engagierter SPD-Mitglieder, die sich aus Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern gegen eine Bewerbung in der derzeit diskutierten Form aussprechen. Ziel ist es, auf zentrale Risiken und offene Fragen aufmerksam zu machen – und gleichzeitig eine breite öffentliche Debatte anzustoßen.
Kritik an fehlender Transparenz und belastbaren Grundlagen
Im Mittelpunkt der Kritik stehen vor allem unklare Kosten, fehlende Transparenz und erhebliche Zweifel an der Umsetzbarkeit der Olympiapläne. Die Initiatorinnen und Initiatoren verweisen darauf, dass Großprojekte dieser Dimension in der Vergangenheit häufig mit massiven Kostensteigerungen und Verzögerungen verbunden waren.
Gleichzeitig sehen sie erhebliche Defizite bei Infrastruktur, Verkehrsplanung und Bürgerbeteiligung. Eine seriöse und nachvollziehbare Grundlage für eine Bewerbung sei unter den aktuellen Bedingungen nicht gegeben.
Mitzeichnen und Position beziehen
Die Plattform bietet Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich zu informieren und einen offenen Brief an den Deutschen Olympischen Sportbund zu unterstützen. Damit soll ein deutliches Signal für eine verantwortungsvolle Haushaltsführung, mehr Transparenz und eine Politik im Sinne des Gemeinwohls gesetzt werden.
„Wir stehen für eine Politik, die solide finanziert, transparent gestaltet und von den Menschen getragen wird. Eine Olympiabewerbung ohne belastbare Grundlagen wird diesem Anspruch nicht gerecht“, so die Initiative.
Ein Impuls aus der Parteibasis
Mit der Plattform „NOlympia“ kommt der Impuls bewusst aus der Mitte der Partei – getragen von Mitgliedern, die sich aktiv in die Debatte einbringen und Verantwortung übernehmen wollen.
Gegen das Neutralitätsgebot verstoßen! 25 Euro Nachtzuschlag ein Hohn!
Viele Kölnerinnen und Kölner hatten sich über die massive Werbung von Stadt, Land NRW und privaten Unternehmen im Wahlkampf um die Olympia-Bewerbung geärgert. Ein Zuhörer vom „Stadtgespräch“ beim wdr 5 hatte das massiv kritisiert. Das hat ein Geschmäckle!
Die Stadt war sogar so dreist und selbstherrlich, dass die übrig gebliebenen Wahlkampf-Gummibärchen an die Wahlhelferinnen und -helfer vor der Wahlauszählung verteilt wurden (siehe Foto). Etliche Wahlhelfer haben die Vertreter des Wahlamtes aufgefordert, das zu unterlassen.
Damit hat die Verwaltung gegen ihren eigenen „Leitfaden Ratsbürgerentscheid Olympia“ verstoßen:
Nachdem Sie sich mit den anderen Mitgliedern des Abstimmungsvorstandes am Tisch eingefunden haben, beginnt der*die Abstimmungsvorsteher*in damit, die Mitglieder des Abstimmungsvorstands auf Ihre Verpflichtung zur unparteiischen Wahrnehmung ihres Amtes und zur Verschwiegenheit, über die ihnen bei ihrer amtlichen Tätigkeit bekannt gewordenen Angelegenheiten mit folgendem Wortlaut hinweisen:
„Ich verpflichte Sie gemäß §7 Absatz 6 der Kommunalwahlordnung von Nordrhein-Westfalen zur unparteiischen Wahrnehmung Ihres Amtes und zur Verschwiegenheit über die Ihnen bei Ihrer amtlichen Tätigkeit bekannt gewordenen Tatsachen, insbesondere über alle dem Abstimmungsgeheimnis unterliegenden Angelegenheiten.“
Oberbürgermeister Burmester ist genervt, und verhält sich wie der Elefant im Porzellan-Laden. An die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer schreibt er:
„Ich bin mir bewusst, dass das für Ihren Einsatz ursprünglich ausgelobte Erfrischungsgeld diesen besonderen Anforderungen rückblickend nicht gerecht wird. Daher habe ich entschieden, dieses – unabhängig von Ihrer wahrgenommenen Funktion und Ihrem Einsatz – um 25 Euro zu erhöhen und die Auszahlung zeitnah zu veranlassen.“
Für fünf zusätzliche Stunden, keine Pausen und Nachtarbeit 25 Euro? Ein zweites „Erfrischungsgeld“ und 25 % Nachtzuschlag wäre doch das Mindeste.
Das Unvermögen der Stadtverwaltung bringt den Wahlhelferinnen und -helfern totalen Stress statt Nachtruhe:
„Wir waren am Ende körperlich und psychisch erschöpft, schlecht gelaunt und fehleranfällig.“
Ein Desaster und die erste Pleite von Oberbürgermeister Burmester.
Der Bürgerentscheid hätte ein glorreicher Startschuss für die Olympia-Region Rhein-Ruhr sein können. In vielen Städten gab es ein deutliches „Ja“ – ein starkes Signal für den Sport und die Wirtschaft. NRW will zeigen, dass es als Sportland bereit für ein Weltereignis ist. Doch während die Region feiert, liefert ausgerechnet die selbsternannte „Leading City“ Köln eine peinliche Vorstellung ab, die an der Professionalität der gesamten Bewerbung zweifeln lässt.
Die Kölner Blamage: Unfähig im Kleinen, größenwahnsinnig im Großen?
Köln hat sich bei der Auszählung des Bürgerentscheids bis auf die Knochen blamiert. Dass eine Millionenstadt über Stunden hinweg nicht in der Lage war, belastbare Ergebnisse zu präsentieren oder einen funktionierenden Livestream aufrechtzuerhalten, ist ein Armutszeugnis. Wenn eine Stadtverwaltung schon mit der Logistik einer simplen Auszählung überfordert ist, wie will sie dann ein globales Mega-Event koordinieren?
Besonders bitter stößt dabei auf:
Einseitige PR: Die Stadt hat im Vorfeld massiv einseitige Wahlwerbung betrieben, statt neutral aufzuklären.
Daten-Vakuum: Bis heute liegen keine wirklich belastbaren Zahlen vor, die einer kritischen Prüfung standhalten würden.
DOSB-Risiko: Mit diesem dilettantischen Auftritt steigt das Risiko massiv, bereits in der Bewertungs-Matrix des DOSB krachend durchzufallen. Im nationalen Vergleich mit München, das ein sattes Votum und internationale Strahlkraft im Rücken hat, wirkt Köln derzeit eher wie ein organisatorisches Leichtgewicht.
Schluss mit dem Marketing-Märchen
Damit die Bewerbung eine echte Chance hat, muss NRW den „Marketing-Modus“ verlassen und zur Ehrlichkeit zurückkehren. Das betrifft vor allem zwei Punkte:
Die Kosten-Lüge: Bisherige Kalkulationen waren stets zu niedrig angesetzt. Allein die Sicherheitskosten werden in die Milliarden gehen – alles andere zu behaupten, ist Augenwischerei.
Das Infrastruktur-Chaos: Das Versprechen, alle Sportstätten seien innerhalb einer Stunde erreichbar, ist ein Märchen. Wer täglich im Stau steht oder auf die Deutsche Bahn angewiesen ist, weiß: Das klappt vielleicht nachts um drei, aber nicht während eines Großereignisses.
Ein mahnendes Beispiel: Die Fußball-EM 2024 hat Deutschland bereits international lächerlich gemacht, als Nationalmannschaften im Schienennetz der Bahn strandeten.
Infrastruktur-Wende statt Olympia-Zirkus
Gerade wegen der Kölner Peinlichkeiten ist eine radikale Sanierungswelle überfällig – allerdings ohne den sündhaft teuren Umweg über Olympia. Wir brauchen kein „Party-Event“ als Vorwand, um endlich Brücken, Weichen und Autobahnen instand zu setzen.
Statt dem IOC das Geld in den Rachen zu werfen, müssen wir dieses Kapital direkt in die Menschen und ihre Mobilität investieren. Ein nachhaltiger Hebel für die Stadt entsteht nicht durch zwei Wochen Ausnahmezustand, sondern durch echte Professionalität statt hohler Phrasen.
Wenn Köln es schafft, die Verwaltung zu modernisieren und die Infrastruktur aus eigener Kraft (und mit den gesparten Milliarden) zu stemmen, hätte die Stadt eine echte Chance, wieder eine „Leading City“ zu werden – und zwar eine, die durch Funktion überzeugt, nicht durch Fassade.
Warum dieser Weg der bessere wäre:
Keine Knebelverträge: Das Geld bleibt zu 100 % in der Region, statt in den Taschen eines internationalen Verbandes zu landen.
Bedarfsorientierung: Gebaut wird das, was die Kölner im Alltag brauchen (z.B. der Ausbau der KVB), nicht das, was für olympische Disziplinen kurzzeitig schick aussieht.
Ehrlichkeit: Eine Stadt wird nicht durch ein Großereignis „weltklasse“, sondern durch funktionierende Schulen, pünktliche Bahnen und sanierte Brücken.
Was meinst du: Welches konkrete Kölner Projekt sollte mit dem „gesparten“ IOC-Geld als Erstes gerettet werden?
Mit 57,39 % Ja- und 42,16 % Nein-Stimmen ist das Kölner Endergebnis nicht sehr überragend. Köln hatte mit 39,68 % die höchste Wahlbeteiligung unter den 17 NRW-Städten. Doch knapp 40 % sind nach dieser massiven Kampagne für „Ja zu Olympia” kein Ruhmesblatt.
Die Kölner Bevölkerung ließ sich nicht von der emotionalen Strahlkraft von Olympia überzeugen, sondern schaute kritisch auf die Zahlen und Fakten.
In allen anderen Städten waren die Zustimmungsquoten höher: in Essen bei 64,3 %, in Düsseldorf bei 67,2 % und in Mönchengladbach bei 74,5 %.
Nolympia-Colonia hat mit geringen Kosten gut 40 % der Menschen erreicht, während für die 57,39 % Ja-Stimmen viel Geld von Land und Stadt ausgegeben wurden.
Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester hat heute Morgen im Deutschlandfunk gesagt, dass er mit Nolympia-Colonia sprechen möchte.
Mit dem Rückenwind aus Köln sind wir bereit für das Gespräch.
Für NOlympia ist es ein Arbeitsergebnis, für den Ministerpräsidenten hingegen ein „beeindruckendes Ergebnis“.
Die Leute in den meisten Städten wurden durch die emotionale Kampagne nicht erreicht, insbesondere, wenn man bedenkt, wie viel Geld die Städte, das Land und private Unternehmen dafür ausgegeben haben.
Die Mobilisierung in den Städten des Ruhrgebiets war gering. Das hängt mit den Sorgen der Menschen zusammen. Dort war oft das Argument „Wir haben andere Sorgen“ zu hören. Deshalb sind wohl viele nicht wählen gegangen, dadurch sind die Zustimmungswerte der Befürworter so hoch.
Die Stimme von NOlympia war wichtig. Wir haben sachliche Kritikpunkte an der Bewerbung entwickelt und die Kosten immer wieder hinterfragt. Wir sind weiterhin der Meinung, dass die von Ministerpräsident Wüst prognostizierten Durchführungskosten von 4,8 Mrd. Euro bei weitem nicht ausreichen werden. Viele Ökonomen und Fachleute weisen darauf hin, dass sich die Kosten verdreifachen können.
Wir können nicht erkennen, dass die vom Landessportbund einforderten, 3,6 Milliarden Euro für die Infrastruktur von Sportstätten jetzt investiert werden. In Köln müssen 48 Sportstätten saniert und der Sanierungsstopp aufgehoben werden.
Bis zum 4. Juni haben das Land NRW und die 17 Kommunen die Aufgabe den Bewerbungs-Fragenkatalog des DOSB zu beantworten und einzureichen. Da helfen dann keine Emotionen, sondern Fakten und Zahlen, die der Ministerpräsident längst auf den Tisch hätten legen können.
Köln ist Leading-City in der Wahlbeteiligung, beim Stimmenauszählen und bei den Menschen, die sich nicht für die Olympischen Spielen aussprechen. Aus der Bestrahlung der Hohenzollernbrücke wurde dann nichts. Die Party im LVR-Turm konnte trotzdem steigen. Ist das der erste Olympia-Event?
In einem sehenswerten Kurzbeitrag der sonntäglichen Sportschau am 12. April1 kritisieren die Autoren die Schönwetterargumente des DOSB und der Staatsministerin für Sport, Christiane Schenderlein und weist auf eine Studie von verschiedenen Hochschule hin, die vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert wird. In den Studien wird die Bedeutung des Spitzensportes hinterfragt: „Nachgewiesene Effekte des Spitzen- und Leistungssportes auf nationale Identität und internationales Prestige sind gering“.2
Olympia ist vorwiegend Festival
Diese nüchterne Feststellung sollte nachdenklich machen. Was ist wichtig und was ist nicht so wichtig. In einer ausführlichen Stellungnahme des Gutachterteams, das nur in Englisch vorliegt, schreiben die Forschenden sogar:
„… das hohe Leistungsniveau von Spitzensportlern und -mannschaften (scheint) bei inaktiven Menschen die Kompetenzlücke gegenüber Spitzensportlern so drastisch hervorzuheben, dass dies möglicherweise eher abschreckend wirkt.“3
Die Anziehung von Olympischen Spiele scheint eher der „Festival-Effekt“ zu sein: „In diesen Fällen zielt das Engagement der Menschen möglicherweise in erster Linie darauf ab, Spaß zu haben und soziale Kontakte zu knüpfen, anstatt sich unbedingt körperlich zu betätigen“. 3
Finanzielle Unterstützung für den Breitensport
Die Befürworter der Olympischen Spiele stellen in ihrer Begründung hauptsächlich darauf ab, dass Olympia wichtig ist für Breitensport und die kommunale Infrastruktur. Die vorliegende Bewerbung der NRW-Landesregierung und der 17 Kommunen beweist das aber nicht. Es gibt für NRW kein Konzept. Wenn die Landesregierung in ihrem Flyer schreibt: „Eine Milliarde Euro für den Breitensport in NRW, unabhängig von Olympia und Paralympics.“4 gibt sie das sogar zu. Wobei der Landessportbund NRW 3,6 Mrd. Euro, also das dreifache für die Infrastruktur für den Breitensport in NRW einfordert.
Die Autoren der Studie mit der Kritik an der Bedeutung des Spitzensportes schreiben dazu: „Finanzielle Unterstützung ist besonders wichtig für die Ausbildung und Vergütung von Trainern und Lehrkräften und, noch grundlegender, für ehrenamtliche Sportvereine und -organisationen, da diese eine zentrale Rolle dabei spielen, den Menschen Möglichkeiten zu bieten, körperlich aktiv zu werden oder zu bleiben.“ 3
Der Beitrag der „Sportschau“ vom 12. April über Kritik am Spitzensport und die Forderung von Christoph Harting, Diskus-Weltmeister von Rio, nach mehr Förderung des Schul- und Breitensports, endet mit der Bemerkung: „Eine Debatte kommt gar nicht erst in Fahrt.“ Das können wir ändern!