„Tradition statt Event-Wahnsinn“ – Warum der queere Schützenverein St. Sebastianus u. Afra die Olympische Idee in Köln ablehnt

KÖLN – Während über die Ausrichtung internationaler Mega-Events nach dem Vorbild der Olympischen Spiele spekuliert wird, setzt der Schützenverein St. Sebastian u. Afra ein deutliches Zeichen gegen diese Entwicklung. In einer Stellungnahme macht der Traditionsverein klar: Solche Großereignisse sind eine Gefahr für das soziale Gefüge Kölns und die finanzielle Stabilität unserer Stadt.

Von unserer Redaktion

Es ist die Angst vor der „Eventisierung“ der Kölner Identität. Während die glänzende Welt des internationalen Sports von Ruhm und Prestige spricht, blickt der Schützenverein St. Sebastian u. Afra mit großer Sorge auf die möglichen Folgen einer solchen Ausrichtung in Köln. Für den traditionsreichen Verein ist klar: Der Preis für ein solches Spektakel ist viel zu hoch – sowohl finanziell als auch sozial.

Die finanzielle Last: Steuergelder für fremde Interessen

Das Hauptargument des Schützenvereins ist die massive Belastung der öffentlichen Hand. Großereignisse dieser Größenordnung werden durch enorme Investitionen in Infrastruktur, Sicherheit und Logistik vorangetrieben. Diese Kosten werden fast ausnahmslos über die Steuerzahler in Köln finanziert.

„Wir sehen hier eine gefährliche Umverteilung“, so ein Sprecher des Vereins. Während die Kölner Bürger für die Finanzierung aufkommen müssen, fließt der wirtschaftliche Profit durch globale Medienrechte und Sponsoring-Einnahmen primär an das Internationale Olympische Komitee (IOC). Das IOC agiert als „Gewinnabschöpfer“ auf Kosten der lokalen Gemeinschaft, während die Stadt Köln mit den langfristigen Folgekosten und der Instandhaltung neuer Strukturen allein gelassen wird.

Steigende Mieten und Verdrängung des Sozialen

Ein weiterer kritischer Punkt ist die sozioökonomische Auswirkung auf das Stadtbild. Der Schützenverein St. Sebastian u. Afra warnt vor dem „Mietwahnsinn“, der oft mit solchen Aufwertungsmaßnahmen einhergeht. Die Aufwertung von Stadtteilen im Zuge von Sport-Infrastrukturprojekten führt zu steigenden Bodenpreisen und Mieten, was letztlich die soziale Durchmischung Kölns gefährdet und alteingesessene Strukturen verdrängt.

„Ein solches Event kann nicht auf Kosten der Menschen geschehen, die Köln seit Generationen prägen“, so die Stellungnahme des Vereins. Die Gefahr ist groß, dass das soziale Miteinander – der Kern dessen, was Köln ausmacht – durch eine rein kommerzielle Event-Kultur ersetzt wird.

Ein Schlag gegen die lokale Vereinskultur

Besonders besorgt ist der Verein um den Verlust der lokalen Identität. Schützenvereine wie St. Sebastian u. Afra sind Ankerpunkte des sozialen Lebens und der Tradition in den Kölner Stadtteilen. Großereignisse hingegen konzentrieren sich auf das kurzfristige Spektakel für ein globales Publikum.

„Wenn die Stadt nur noch als Kulisse für internationale Profitinteressen dient, verlieren wir unsere Seele“, so das Fazit des Vereins. Der Fokus liegt bei solchen Events nicht mehr auf der Förderung lokaler Gemeinschaften oder der Stärkung der bestehenden Vereinskultur, sondern auf der kurzzeitigen Maximierung von Sichtbarkeit und Umsatz.

Fazit: Köln braucht Beständigkeit, keine Gigantomanie

Der Schützenverein St. Sebastian u. Afra fordert die Kölner Politik dazu auf, die Prioritäten neu zu setzen. Anstatt Milliarden in Projekte zu investieren, die den Profit internationaler Komitees sichern und die Stadt finanziell ausbluten lassen, sollte der Fokus auf der Unterstützung der bestehenden Vereine, der Stabilisierung der Mieten und der Förderung des echten, lokalen sozialen Miteinanders liegen.

Köln braucht keine glitzernden Arenen für wenige Tage, sondern eine starke, verlässliche Vereinslandschaft für alle Zeiten.